Netztarife 2026: Flexibilisierung

Netztarife 2026: Flexibilisierung

Österreichs Energiemarkt erreicht einen Wendepunkt: Nach der drastischen Erhöhung der Stromnetzgebühren um 23 % im Vorjahr zeichnet sich für 2026 eine Konsolidierung ab. Doch die scheinbare Stabilität täuscht über einen strukturellen Wandel hinweg. Mit der neuen Verordnung setzt die E-Control konsequent auf Flexibilisierung, um die Lasten im System neu zu verteilen.

Die Stromnetz-Analyse: Regionale Divergenz und neue Anreize

Im österreichischen Durchschnitt steigen die Stromnetzgebühren nur moderat um ein Prozent. Doch hinter diesem Mittelwert verbirgt sich eine tiefe regionale Kluft.

Gewinner und Verlierer der neuen Verordnung

Besonders deutlich profitieren Haushalte in Salzburg mit einer Senkung von neun Prozent, was bei mittlerem Verbrauch rund 36 Euro jährlich einspart. Auch in Wien und der Steiermark sinken die Tarife leicht. Ganz anders die Situation im Burgenland, in Tirol und Niederösterreich: Hier müssen Kunden mit Steigerungen rechnen – im Burgenland sogar mit einem Plus von bis zu 58 Euro pro Jahr.

Der neue Sommer-Arbeitspreis

Die wohl bedeutendste Neuerung ist die Einführung eines reduzierten Netztarifs in den Sonnenmonaten.

  • Zeitraum: April bis September, täglich von 10:00 bis 16:00 Uhr.

  • Vorteil: 20 % Reduktion der Netzgebühren in diesem Fenster.

Dieser Schritt ist eine direkte Reaktion auf die enorme PV-Einspeisung zur Mittagszeit. Da das Netz durch den ungenutzten Überschuss massiv belastet wird, soll der Eigenverbrauch vor Ort durch finanzielle Anreize gesteigert werden.

Der Gasmarkt: Eine Spirale nach oben

Während beim Strom vorsichtige Entwarnung gegeben wird, verschärft sich die Lage für Gaskunden massiv. Da immer mehr Haushalte auf erneuerbare Heizsysteme umsteigen, sinkt der Gesamtabsatz. Die Crux: Die Fixkosten für Betrieb und Instandhaltung des bestehenden Netzes bleiben nahezu gleich und müssen nun auf deutlich weniger Schultern verteilt werden.

In Kärnten führt dies zu einer Preissteigerung der Netzentgelte von 35 %, was für einen Durchschnittshaushalt Mehrkosten von ca. 142 Euro pro Jahr bedeutet. Auch in Niederösterreich (+30 %) und der Steiermark (+27,7 %) steigen die Kosten drastisch.

Strategie für Spotty-Nutzer

Die Kombination aus dynamischen Stromtarifen (Spotmarktpreisen) und den reduzierten Netzgebühren bietet 2026 ein enormes Sparpotenzial. Wenn der Börsenpreis mittags ohnehin niedrig ist und nun die Netzgebühr um ein Fünftel sinkt, wird das Zeitfenster von 10:00 bis 16:00 Uhr zur profitabelsten Zeit für energieintensive Tätigkeiten.

Fazit: Die Stromrechnung wird 2026 individueller. Wer flexibel reagieren kann, profitiert – wer an starren Verhaltensmustern festhält, wird mit deutlich höheren Systemkosten belastet.

Strommarkt, strompreise